COMPASS-31: Was misst der Score bei Dysautonomie und ME/CFS?
COMPASS-31 ist ein validierter Selbstfragebogen zur Erfassung autonomer Symptome. Er umfasst 31 Fragen in sechs Domänen und ergibt einen gewichteten Gesamtscore von 0 bis 100 – diagnostiziert aber weder POTS noch ME/CFS.
Kurzantwort
COMPASS-31 ist ein validierter 31-Fragen-Selbstfragebogen zur Quantifizierung autonomer Symptome.
Er erfasst sechs Bereiche: orthostatische Intoleranz, vasomotorische, sekretomotorische, gastrointestinale, Blasen- und pupillomotorische Beschwerden.
Der gewichtete Gesamtscore reicht von 0 bis 100. Höhere Werte stehen für eine stärkere autonome Symptomlast; ein einzelner Grenzwert stellt jedoch keine Diagnose.
Schwindel beim Stehen, Herzrasen, Verdauungsbeschwerden oder Störungen von Schwitzen und Pupillenreaktion können auf eine Beteiligung des autonomen Nervensystems hinweisen. COMPASS-31 bündelt solche Beschwerden in einem strukturierten Symptomscore.
Das Wichtigste zu COMPASS-31
31 Fragen in sechs autonomen Symptomdomänen
gewichteter Gesamtscore von 0 bis 100
deutsche Version wissenschaftlich validiert
bei ME/CFS häufig zur strukturierten Erfassung dysautonomer Beschwerden eingesetzt
kein Ersatz für Diagnostik von POTS, orthostatischer Hypotonie oder ME/CFS
Verantwortliche Redaktion
Elara Health
Patientennahe Gesundheitsinformation
Letztes Update
17. September 2026
Was ist der COMPASS-31-Fragebogen?
COMPASS-31 steht für Composite Autonomic Symptom Score 31. Das Instrument wurde aus längeren Fragebögen zur autonomen Symptomatik entwickelt und soll die subjektive Belastung durch autonome Beschwerden kompakt und standardisiert erfassen.
Der Fragebogen ist damit ein Patient-Reported Outcome: Er bildet berichtete Symptome ab. Er misst nicht direkt Blutdruck, Herzfrequenz oder andere physiologische Parameter und ersetzt keine klinische Untersuchung.
Welche sechs Bereiche erfasst COMPASS-31?
Die 31 Fragen werden sechs Domänen zugeordnet. Diese werden unterschiedlich gewichtet, weil nicht jede Domäne gleich stark in den Gesamtscore eingeht.
orthostatische Intoleranz: Beschwerden im Sitzen oder Stehen, zum Beispiel Benommenheit oder Kreislaufprobleme
vasomotorische Funktion: Veränderungen der Hautdurchblutung und Gefäßregulation
sekretomotorische Funktion: unter anderem Veränderungen des Schwitzens
gastrointestinale Funktion: Beschwerden des Magen-Darm-Trakts
Blasenfunktion: autonome Beschwerden beim Wasserlassen
pupillomotorische Funktion: Beschwerden rund um Pupillenreaktion und Lichtanpassung
Wie wird der COMPASS-31-Score interpretiert?
Aus den Antworten entstehen gewichtete Domänenscores und ein Gesamtscore zwischen 0 und 100. Ein höherer Wert bedeutet grundsätzlich eine stärkere berichtete autonome Symptomlast.
Wichtig ist die Grenze dieser Aussage: COMPASS-31 wurde zur Quantifizierung von Symptomen entwickelt, nicht als alleiniger Diagnosetest. Es gibt keinen universellen Gesamt-Cut-off, mit dem sich bei ME/CFS oder POTS zuverlässig „krank“ von „gesund“ trennen lässt. Ergebnisse sollten deshalb im klinischen Kontext und zusammen mit Verlauf und Untersuchung gelesen werden.
Gibt es eine validierte deutsche Version?
Ja. Eine deutschsprachige Version wurde in einer Validierungsstudie mit 20 Patientinnen und Patienten mit neurologischen Erkrankungen beziehungsweise möglicher autonomer Symptomatik und 20 gesunden Vergleichspersonen untersucht.
Der deutsche Gesamtscore korrelierte eng mit der englischen Originalversion. Auch die interne Konsistenz war für den Gesamtfragebogen gut. Die Studie unterstützt damit den Einsatz der deutschen COMPASS-31-Version zur strukturierten Erfassung autonomer Symptome.
Warum ist COMPASS-31 bei ME/CFS relevant?
Autonome Beschwerden gehören bei vielen Menschen mit ME/CFS zum Krankheitsbild. Der aktuelle deutsche ME/CFS-Praxisleitfaden nennt COMPASS-31 als etablierten Fragebogen zur ausführlichen Erfassung dysautonomer Störungen und weist zugleich darauf hin, dass er für eine einfache Diagnostik nicht zwingend erforderlich ist.
Auch das deutsche ME/CFS-Multicenter-Register und internationale ME/CFS-Studien setzen COMPASS-31 ein. Das macht den Score für Forschung und Verlaufsbeschreibung nützlich, ohne dass daraus eine spezifische ME/CFS-Diagnose abgeleitet werden kann.
COMPASS-31, POTS-Test und NASA-Lean-Test: Was ist der Unterschied?
COMPASS-31 fragt Symptome ab. Ein orthostatischer Test wie der NASA-Lean-Test oder eine ärztliche Stehmessung erfasst dagegen Herzfrequenz und Blutdruck unter Lagewechsel beziehungsweise aufrechter Belastung.
Ein hoher COMPASS-31-Score kann daher einen Anlass geben, autonome Beschwerden genauer anzuschauen, beweist aber kein POTS. Umgekehrt können objektive Kreislaufveränderungen und subjektiv berichtete Symptome unterschiedlich stark ausgeprägt sein.
Was der Score nicht leisten kann
COMPASS-31 unterscheidet nicht automatisch zwischen verschiedenen Ursachen autonomer Beschwerden. Medikamente, Flüssigkeitshaushalt, neurologische Erkrankungen, Diabetes, POTS und weitere Faktoren können Symptome beeinflussen.
Für ME/CFS beantwortet der Score außerdem eine andere Frage als Bell-Skala oder FUNCAP-27: COMPASS-31 beschreibt autonome Symptomlast, während Bell und FUNCAP funktionelle Einschränkungen beziehungsweise Kapazität erfassen. Die Werte sind nicht direkt ineinander umrechenbar.
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Medikamente und Laborwerte ergänzen den Verlauf, ohne den Pacing-Bereich zu überladen.
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Häufige Fragen zu COMPASS-31
Was bedeutet ein hoher COMPASS-31-Score?
Ein höherer Gesamtscore steht für eine stärkere berichtete Belastung durch autonome Symptome. Der Score allein stellt jedoch keine Diagnose und sollte zusammen mit Beschwerden, Verlauf und klinischer Untersuchung interpretiert werden.
Kann COMPASS-31 POTS diagnostizieren?
Nein. COMPASS-31 erfasst autonome Symptome, während eine POTS-Diagnose objektive Herzfrequenz- und Kreislaufkriterien sowie den klinischen Kontext berücksichtigt. Dafür sind orthostatische Messungen notwendig.
Ist COMPASS-31 auf Deutsch validiert?
Ja. Eine deutschsprachige Version wurde wissenschaftlich untersucht und zeigte eine enge Übereinstimmung mit der englischen Originalversion sowie eine gute interne Konsistenz des Gesamtscores.
Was ist der Unterschied zwischen COMPASS-31 und Bell-Score?
COMPASS-31 quantifiziert autonome Symptome in sechs Domänen. Der Bell-Score dient bei ME/CFS zur groben funktionellen Schweregradeinordnung. Beide Instrumente beantworten unterschiedliche Fragen und ihre Zahlen sind nicht direkt vergleichbar.
Redaktionelle Standards
Die verlinkten Leitlinien und institutionellen Fachinformationen erläutern den medizinischen Hintergrund. Redaktionelle Verantwortung und eine dokumentierte medizinische Prüfung werden getrennt ausgewiesen.
Medizinischer Hintergrund: 3 Quellen
Bildungsinhalt zur Einordnung – ersetzt keine ärztliche Diagnose
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Quellen und Vertiefung
Hilz et al. — Validierung der deutschen COMPASS-31-Version
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Deutsches ME/CFS-Multicenter-Register — Einsatz von COMPASS-31
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Praxisleitfaden ME/CFS — Dysautonomie und COMPASS-31
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