Kategorie: Community
Was wir von unseren ersten Nutzern gelernt haben
Nach sechs Monaten in der Beta-Phase haben wir wertvolles Feedback gesammelt. Die wichtigste Erkenntnis: Einfachheit schlägt Funktionsvielfalt – besonders bei Menschen mit Fatigue.
Von Frederik Marquart | 2025-12-20 | Lesezeit: 6 min
Tags: Nutzerfeedback, UX, Beta, Learnings
Vor sechs Monaten haben wir Elara für unsere erste Beta-Gruppe geöffnet. Seitdem haben wir hunderte Stunden Feedback gesammelt, User Interviews geführt und vor allem: zugehört. Hier sind die wichtigsten Learnings.
Learning #1: Weniger ist mehr
Unsere erste Version hatte zu viele Features. Dashboard mit 12 Metriken, tägliche Fragebögen mit 15 Fragen, detaillierte Symptom-Tracker für jedes erdenkliche Symptom. Die Resonanz war ernüchternd:
Ich habe schon kaum Energie für den Alltag. Eine App, die noch mehr Energie kostet, kann ich mir nicht leisten.
Beta-Nutzerin, 34
Das war ein Weckruf. Wir hatten aus Entwicklerperspektive gedacht, nicht aus Nutzerperspektive. Menschen mit chronischer Erschöpfung brauchen keine Feature-reiche App – sie brauchen eine App, die mit minimaler kognitiver Belastung maximalen Nutzen bringt.
Learning #2: Automatisierung wo möglich
Nutzer lieben Features, die ohne ihr Zutun funktionieren. Die automatische HRV-Erfassung über die Apple Watch oder Garmin hat die höchste Zufriedenheitsrate. Der manuelle Symptom-Tracker? Wird nach 2 Wochen von 60% der Nutzer nicht mehr verwendet.
Daraus haben wir gelernt: Wo immer möglich, Daten automatisch erfassen. Manuelle Eingaben nur dort, wo sie wirklich unverzichtbar sind.
Learning #3: Der richtige Zeitpunkt
Unsere ursprüngliche Abend-Erinnerung kam um 20:00 Uhr. Das Problem: Viele unserer Nutzer sind zu dieser Zeit bereits erschöpft oder im "Wind-down"-Modus.
Nach A/B-Tests haben wir die flexible Erinnerungszeit eingeführt. Überraschung: Die meisten Nutzer bevorzugen den Morgen – ein kurzer Check-in, wie die Nacht war, ist weniger belastend als eine Tagesreflexion am Abend.
Learning #4: Visualisierung > Zahlen
Eine unserer meistgelobten Änderungen: Die Umstellung von numerischen Scores auf visuelle Darstellungen. Statt "Ihr RNS beträgt 67" zeigen wir jetzt eine intuitive Grafik mit Farbcodierung.
- Grün: "Dein Körper scheint gut erholt"
- Gelb: "Heute lieber etwas vorsichtiger"
- Rot: "Zeit für Ruhe und Erholung"
Brain Fog ist ein häufiges Symptom bei unserer Zielgruppe. Einfache, visuell eindeutige Kommunikation ist essentiell.
Learning #5: Community Matters
Ein unerwartetes Learning: Nutzer wollen sich austauschen. Nicht über die App selbst, sondern über ihre Erfahrungen mit Pacing, Ärzten, dem Alltag. Wir planen keine Social Features – das würde den Fokus verwässern – aber wir haben begonnen, Community-Events außerhalb der App zu organisieren.
Zum ersten Mal habe ich das Gefühl, dass jemand versteht, wie mein Alltag aussieht. Das liegt nicht nur an der App, sondern an der Community dahinter.
Was wir geändert haben
- Dashboard von 12 auf 3 Kern-Metriken reduziert
- Täglicher Check-in von 15 auf 3 Fragen gekürzt
- Automatische Datenerfassung wo möglich
- Flexible Erinnerungszeiten
- Visuelle statt numerische Darstellung
- Schnellere Ladezeiten (50% Verbesserung)
- Dark Mode als Default (augenfreundlicher)
Was kommt als Nächstes
Basierend auf dem Feedback arbeiten wir an: Noch besserer Wearable-Integration, einem "Ultra-Low-Energy-Modus" für schlechte Tage, und einer Export-Funktion für Arztgespräche. Bleibt dran!