Kategorie: Community
Von Patient zu Entwickler: Meine persönliche Motivation
Wie die eigene Erfahrung mit chronischer Erschöpfung zur Gründung von Elara Health führte. Eine ehrliche Reflexion über die Herausforderungen und warum ich trotzdem weitermache.
Von Frederik Marquart | 2025-11-15 | Lesezeit: 7 min
Tags: Persönlich, Gründung, Motivation, ME/CFS
Dieser Artikel ist persönlicher als die anderen. Er handelt davon, warum ich Elara entwickle – und warum ich manchmal selbst nicht weiß, ob ich der richtige dafür bin.
Der Anfang
Vor fünf Jahren war ich ein normaler Softwareentwickler. Lange Arbeitstage, Sport am Wochenende, ein aktives Sozialleben. Dann kam eine Virusinfektion, von der ich mich nie richtig erholte.
Was folgte, kennen viele von euch wahrscheinlich: Die Odyssee von Arzt zu Arzt. Bluttests, die "normal" waren. Ratschläge wie "mehr Sport" und "weniger Stress". Und eine zunehmende Isolation, weil niemand verstand, warum ich plötzlich nicht mehr konnte.
Es ist schwer, eine Erkrankung zu haben, die man nicht sieht. Es ist noch schwerer, wenn selbst Ärzte sie nicht sehen wollen.
Die Diagnose
Nach zwei Jahren bekam ich endlich eine Diagnose: ME/CFS, ausgelöst durch die Virusinfektion. Auf eine Art war es eine Erleichterung – ich bildete es mir nicht ein. Auf eine andere Art war es niederschmetternd: Es gibt keine Heilung, kaum wirksame Behandlungen, und die Prognose ist... variabel.
Aber mit der Diagnose kam auch Wissen. Ich lernte über Pacing, die Energy Envelope Theory, HRV-Monitoring. Und ich merkte: Es gibt wissenschaftlich fundierte Ansätze – aber keine guten Tools, um sie im Alltag umzusetzen.
Die Idee
Als Entwickler war mein erster Instinkt: Ich baue mir selbst ein Tool. Ein Excel-Sheet wurde zur Notion-Datenbank, die Notion-Datenbank wurde zum Prototyp einer App. Und irgendwann dachte ich: Wenn mir das hilft, hilft es vielleicht auch anderen.
Die Ironie
Hier ist die Ironie meiner Situation: Ich entwickle eine App für Menschen mit Energieproblemen – während ich selbst Energieprobleme habe. Es gibt Tage, an denen ich nichts programmieren kann. Wochen, in denen ich nur das Nötigste schaffe.
Manchmal frage ich mich, ob ich der Falsche für diesen Job bin. Wäre jemand Gesundes nicht viel produktiver? Könnte ein Team die App nicht schneller entwickeln?
Wahrscheinlich ja. Aber dann erinnere ich mich, warum ich das mache:
Niemand versteht besser, was Betroffene brauchen, als ein Betroffener selbst.
Die kleinen Siege
Wenn ich E-Mails von Nutzern bekomme, die sagen, dass Elara ihnen geholfen hat, einen Crash zu vermeiden – das macht alles wert. Wenn jemand schreibt, dass sie zum ersten Mal Muster in ihren Symptomen erkennen – dafür lohnt sich die Arbeit.
Ich habe gelernt, meine eigenen Erwartungen anzupassen. Elara wird nicht die schnellste App-Entwicklung der Welt. Aber sie wird von jemandem gemacht, der weiß, wovon er spricht.
Die Zukunft
Ich weiß nicht, wie es mir in fünf Jahren gehen wird. ME/CFS ist unberechenbar. Vielleicht geht es mir besser, vielleicht schlechter. Aber solange ich kann, werde ich an Elara arbeiten.
Nicht weil ich muss. Nicht weil ich glaube, dass ich der Einzige bin, der es kann. Sondern weil es mir einen Sinn gibt – und weil ich glaube, dass wir als Community von Betroffenen füreinander da sein sollten.
Wenn du selbst betroffen bist und Fragen hast – meine Inbox ist offen. Ich kann nicht versprechen, dass ich sofort antworte (siehe oben: Energieprobleme), aber ich lese alles und versuche zu helfen, wo ich kann.
Bis zum nächsten Artikel. Passt auf euch auf.