Cholin ist ein essenzieller Nährstoff. Der Körper benötigt Cholin unter anderem für Phosphatidylcholin und Sphingomyelin in Zellmembranen sowie zur Bildung des Neurotransmitters Acetylcholin. Der Mensch kann einen Teil selbst synthetisieren, ist aber zusätzlich auf Cholin aus der Ernährung angewiesen.
Cholin darf nicht mit Cholinesterase verwechselt werden. Cholinesterasen sind Enzyme, die Acetylcholin beziehungsweise andere Cholinester spalten. Eine Cholinesterase-Bestimmung im Blut wird beispielsweise bei bestimmten Vergiftungsfragestellungen, Lebererkrankungen oder vor der Anwendung von Succinylcholin eingesetzt. Ein niedriger Cholinesterase-Wert ist daher kein niedriger Cholin-Nährstoffwert.
Freies oder gesamtes Cholin kann in Plasma oder Serum gemessen werden und wird in Ernährungs- und Stoffwechselstudien eingesetzt. Eine aktuelle Ernährungsreview kommt jedoch zu dem Schluss, dass es derzeit keinen optimalen Blutbiomarker gibt, der Cholinmangel oder eine ausreichende Cholinversorgung zuverlässig abbildet. Blutkonzentrationen können unter anderem durch Aufnahme, körpereigene Synthese, Verteilung und Stoffwechsel beeinflusst werden.
Ein einzelner Cholinwert sollte deshalb nicht als universeller Mangel- oder Überschusstest interpretiert werden. Für die Beurteilung der Cholinversorgung sind Ernährungsanamnese, besondere Lebensphasen und klinischer Kontext wichtiger als ein frei erfundener allgemeiner Blut-Normalbereich.