S-Adenosylmethionin (SAM) entsteht aus Methionin und ATP und dient als Methylgruppendonor in zahlreichen biochemischen Reaktionen. Nach der Abgabe einer Methylgruppe entsteht S-Adenosylhomocystein (SAH). Deshalb werden SAM, SAH und häufig auch das SAM/SAH-Verhältnis gemeinsam untersucht.
Die Analytik ist anspruchsvoll. Eine aktuelle Review zur klinischen Laborpraxis beschreibt LC-MS/MS als bevorzugte Methode und betont erhebliche Einflüsse durch Probenmatrix, Präanalytik, Lagerung und Stabilität. Publizierte Konzentrationen gesunder Kontrollgruppen unterscheiden sich deutlich zwischen Plasma, Serum, Vollblut, Erythrozyten und Liquor. Entsprechend lässt sich kein einzelner universeller Internet-Referenzbereich über alle Matrizes und Verfahren hinweg verwenden.
Auch die Bezeichnung „Methylierungsstatus“ ist zu weitgehend. Die SAM/SAH-Ratio wird als Marker der Methylierungskapazität untersucht, doch ein systemischer Plasmawert bildet nicht automatisch die Methylierung in einzelnen Geweben oder die DNA-Methylierung einer Person ab. Forschung zeigt Zusammenhänge mit verschiedenen Erkrankungen, daraus folgt aber keine krankheitsspezifische Diagnose aus einem einzelnen SAM-Wert.
Für eine sinnvolle Interpretation müssen daher Probe, Messmethode, Probenverarbeitung, SAH und die konkrete klinische oder wissenschaftliche Fragestellung bekannt sein. Niedrige oder hohe SAM-Werte sollten nicht automatisch als „Unter-“ oder „Übermethylierung“ bezeichnet und nicht direkt in Empfehlungen zu Nahrungsergänzung oder Therapie übersetzt werden.